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M13
Handbuchleser
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Alter: 41
Anmeldungsdatum: 31.05.2007
Beiträge: 249
Wohnort: Schönebeck

2006 Yamaha FZ6 N

Motorrad: Yamaha FZ6 N
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BeitragVerfasst: Fr 23 Mai, 2008 15:59  Titel:  Bericht Kreta Tour: Crete Rush (Part 1 - 6) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hier mein Bericht (Teil 1) der Kreta Tour, der besseren Übersichtlichkeit halber in einem neuen Fred.

Crete Rush (Part 1)


11.05.2008 – Der Aufbruch
Seit dem (für mich) frühen Sonntag morgen, 8.00 Uhr, wuppele ich meinen Hintern konstant erregt durch´s Haus. Tags zuvor wurde die Katze einer gründlichen Reinigung und Kontrolle unterzogen und wartet nun geduldig auf die Beladung. Ich checke immer wieder mein Gepäck. Das besteht aus einer großen Hecktasche (Sommerkombi und Sommerschuhe, Regenklamotten und Schlafmatte plus –sack, Kippen, zusätzlichen Gepäcknetzen und Funktionswäsche). Die beiden Satteltaschen sind befüllt mit Shorts und Shirts, Badehösis, Socken, Schlüppis, Schlappen (in jeder 1 Paar), Hosen, Sweatshirts, Zippo-Benzin und so Kram. Alles auf mikroskopische Größe gerollt und nach einem ausgeklügelten System verstaut. Die Passform ist so, dass ich nicht mal den Erweiterungszipper brauche und somit keine Überbreite habe. Außerdem dabei mein Rucksack mit Wechselwäsche, Schlappen, Hose, Shirts, Waschtasche, Red Bull Dosen und isotonischen Getränken. Ladegeräte, MP3-Player, Medikamente (Standard und Antihistamine für die Fähren) finden darin auch Platz. Zu guter Letzt der Tankrucksack mit Verbandspäckchen und Warnweste, Isolier- und Klettband, Kabelbindern, Reifenpannenset, Visierreinigungstüchern, Navikabel und Navitasche, Detailkarten und Checklisten und Kamera. Unter der Sitzbank ruhen Bordwerkzeug und Kettenöler (inkl. Ersatzteile) und ein Lappen. Mein Multitool habe ich am Gurt meiner Beintasche, die Handy, Helmwarndreieck, Funktionsunterhandschuhe, Sturmhaube, Kabelschloss, Schlüssel, ABE´s und TÜV, Reisepass und eine zusätzliche Schachtel Kippen enthält. Nach und nach wuppe ich das Zeug auf die Katze und zurre es fest. Bis ich gegen 16.00 Uhr starte, werde ich bestimmt noch gefühlte 100 mal um das Möpp geschlichen sein, um auch alles zu kontrollieren. Die Heck- und Seitentaschen sind mit zwei ABUS-Kabelschlössern gegen böswilliges Verwschwindenwerden gesichert. Ich habe alles dabei und weiß instinktiv, dass nix kaputtgehen wird, weil ich ja alles dabei habe. Das Schicksal wird an mir und meinem Bike vorübergehen und sagen:“Lohnt sich nicht, der ist ja vorbereitet.“ Ich überlege, ob ich noch meine Ersatzlampe einpacken soll, verwerfe den Gedanken aber, weil sie ja kaputtgehen könnte. Das soll sich rächen. Ich prüfe mal so aus Jux meinen Helm, ob er der in Italien pflichtigen ECE 05/22 Norm entspricht und bekomme einen Schock. Da steht E3. Nach panischer Suche im Netz auf der Herstellerseite stellt sich heraus, dass E3 055 nix anderes bedeutet als:“Entspricht der Norm ECE 05/22 und wurde in Italien produziert.“ Puh, Glück gehabt. Um 15.00 Uhr ruft Mami an und sagt:“Weißt du, dass es in Griechenland Spritprobleme gibt? Die Tanklastfahrer streiken.“ Arrrgh. Was das denn für ´ne S......, denke ich. Nu, ich hab die Fährtickets, also fahre ich. Scheiß drauf. Das Problem soll sich noch auswachsen. Gegen 16.00 Uhr löffele ich mich in meine Kombi, rauche noch eine und fahre mit weichen Knien und etwas flauem Magen die ersten Meter. Dann fängt es an Spaß zu machen und ich knete 159 km in Richtung Hildesheim. Mein Garmin zumo 550 ist mit den im MTP, Mapsource und Google Earth developten Routen gefüttert und schickt mich prompt woanders lang. Hoffentlich macht er das nicht auch in Griechenland.

Ich fahre, wie geil.

In Hildesheim tanke ich nochmal voll und der Tankwart erläßt mir 2 Cent. Scheinen ein moppedfreundliches Völkchen zu sein. Am Autozug angekommen geht alles problemlos. Andere Moppedfahrer stehen hinter mir in der Schlange und wir kommen ins Gespräch. Ich glänze mit meinen erstklassigen Tipps für das Auffahren auf den Zug (weil nur 1.58 m hoch, also Rübe runter) sowie meinen Ratschlägen zu Verbandspäckchen, Warnweste und Helmnorm in Italien. Als ich ich die Weste und den Helm erwähne, wird einer von den Kumpels blass. Nix Weste, Helm is auch nicht richtig, murmelt er. Wir schicken ihn zur Tanke um die Ecke. Nach 30 Minuten kommt er warnwestenschwenkend wieder. Seine Story bestärkt mein Gefühl von den Hildesheimer Moppedfreunden. In der Tanke waren die Westen alle, der Pächter rief kurzerhand seine Frau an, die schleunigst ins Geschäft zu eilen hatte. Er selber klemmte sich hinter das Lenkrad, fuhr zu einer anderen Tanke und holte von dort eine Weste. Respekt. Ich hatte Tränen der Rührung im Auge.

Nachdem die Moppeds verzurrt waren, wartete unser Grüppchen auf den Zug. Der hatte 30 Minuten Verspätung und rief mir damit erstmals wieder schmerzhaft meinen randgenähten Zeitplan ins Gedächtnis. Von Bozen bis Ancona (500 km) hatte ich nur 5 Stunden Zeit, um die Fähre zu schaffen. Aua, Aua. Ich plante, um 9.30 Uhr von Bozen starten zu können, damit ich rechtzeitig um 15.00 Uhr zur Einschiffung im Hafen wäre.

Die HuschHusch kommt dann endlich und ich suche mein Abteil. Dieses ist bereits bestückt mit einem griechischen und einem italienischen Opa, sowie einem mit mir zugestiegenen lang- und grauhaarigen Typen mit einem weißen Vitara, der bis unters Dach mit Klopapierrollen beladen zu sein scheint (der Vitara, nicht der Typ). Außerdem hat er eine bedenklich schlingerde Dunstabzugshaube auf den Beifahrersitz gequetscht. Ich denke so bei mir, dass er eine Flex brauchen wird, um die Karre wieder zu entladen. Ich werde diesem Menschen in den nächsten 3 Tagen immer wieder begegnen. Er heißt Andreas und, wie sich später herausstellen wird, ist er ein begnadeter und sehr erfolgreicher Architekt. Der etwas verwahrloste Schein trügt. Ich grüße dich, Andreas, wo immer du auch gerade bist.

Wir schwafeln im Abteil über Kreta, Italien und Gott und die Welt. Die Stimmung wird auch nicht gedämpft, als ich meine stinkenden Stiefel ausziehe und sie unter das Kopfende des Bettes vom Griechen stelle. Ich schlüpfe in meine Tarnhose und meine Schlappen und setze mir meine sandfarbene GI-Joe Mütze auf (dieser Aufzug wird mir später noch bei einem Zusammentreffen mit 5 Marokkanern zum Sieg verhelfen). Ich drücke mir im Bistrowagen ein paar Bratwürstel mit Kartoffelsalat rein und hebele mich dann in die Koje. Die Nacht im Zug bricht an.

12.05.2008 – Gummi in Bella Italia
Morgens um sieben entknote ich mich aus meiner Schlafstatt und okkupiere für mehr als 30 Minuten das einzig funktionierende Zugklo in unserem Waggon (Katzenwäsche, Zähneputzen, auf´m Topf sitzen, eine rauchen und dabei etwas österreichisch-italienische Alpenlandschaft fotografieren). Entspannt verlasse ich das Kabuff und grüße mich nett an der Klowarteschlange vorbei. Wahrscheinlich sind die Kollegen noch etwas müde, denn meine Freundlichkeit schlägt nicht sonderlich auf mich zurück. Ich schiebe mich an zwei süßen Hintern kichernder Teenies vorbei, die mir dabei nicht viel Platz lassen (Anke haut mich). Was für ein schöner Morgen. Il Treno ist wieder im Zeitplan, die Sonne lacht und die 500 km bis Ancona sowie das hellenische Spritproblem puckern nur etwas dumpf in meinem Hinterkopf.

Zusammen mit dem Gyros- und dem Spaghetti-Opa, sowie dem AlternativeSzeneArchitekten genieße ich mein Frühstück (mit Zimmerservice). Ich höre Geschichten über toskanische Historie und Dialekte und erfahre Details über die entstehenden Probleme durch den globalen Siegeszug der japanischen Küche. Außerdem erfahre ich, dass nicht jedes Schreiben von französischen Weingroßimporteuren auch immer ein vorteilhaftes Schreiben ist (zumindest nicht für ein bestimmtes, berüchtigtes griechisches Weingut). Ich bekomme noch einen Flyer vom Tzatziki-Mann, auf dem er sein Ferienhaus auf dem Peloponnes bewirbt. Das miete ich mir auf jeden Fall nochmal. Meine Logistik funktioniert reibungslos und bald stehe ich in voller Lederpracht und mit gereinigtem Visier zum Aussteigen bereit.

Bozen, 9.12 Uhr. Elegant und gazellengleich entspringen wir dem Zug, latschen etwa einen halben Kilometer bis zum Tunnel, der uns auf Bahnsteig 1 bringt und auf diesem dann einen halben Kilometer wieder zurück bis zur Entladerampe. Es ist 9.20 Uhr, als wir dort ankommen. In 10 Minuten wird das nix mit dem Entladen und die 500 km drücken nun doch schon etwas mehr. Um 9.40 Uhr rollt ein Autozug an die Rampe. Ich kann mein Bike nicht finden. Es ist der aus Düsseldorf. Um 9.50 beginnt die Entladung. Meine Zeitreserven schwinden. 10 Minuten und 3 Kippen später kommt der Hildesheimer Zug an die Rampe geschlichen. Noch 3 Kippen später um 10.15 Uhr sitze ich endlich auf dem Möpp. Ich drücke den Startknopf und nix rührt sich. Jemand haut mir eine mutierte Aubergine auf den Solarplexus. Fuck, was ist das????!!!!!!!!!! Siedendheiß fällt mir 10 Sekunden Panik später ein, dass ich den 1. Gang drin habe. Gang raus. Startknopf. Wroooouuumm. Die halblegalen Akrapovic-Tüten erwachen zum Leben. Ich bin kochgar und verwundert darüber, wie schnell der menschliche Körper 15 Liter Schweiß ausschütten kann. Ich fahre das Möpp vom Zug, verzurre in Rekordzeit den Rucksack und das Tankbag und fummele das Navi in die Halterung. Um 10.23 Uhr Route gewählt und los geht´s. Ich habe fast eine Stunde meines Plans verloren. Z6, hilf. Herr Garmin fragt mich, ob ich zum Anfang der Route navigieren will. Ich hab das Teil seit Freitag und tippe (blöderweise) „Ja“. Herr Garmin schickt mich aus dem Bahnhof heraus nach links, was meinem natürlichen Instinkt widerspricht. Nach 300 m befiehlt mir Herr Garmin im Kreisverkehr exakt dieselbe Strecke zurückzufahren, die ich eben gekommen bin. Was soll´s, ich hab ja Zeit. Dann ist alles in Butter und flutsche mit Herrn G´s Hilfe aus Bozen heraus auf die Brenner-Autobahn Richtung Modena. Der Fahrtwind kühlt mich ungefähr 300 m, dann plötzlich „Stopp!“. Achja, fast vergessen. Maut. Ich kloppe auf den roten Knopp, stopfe das Ticket in den Tankrucksack, während mich der erste Spaghetterio hinter mir schon anhupt und los geht die wilde Jagd.

Ich knete Richtung Horizont auf der linken Spur. Plötzlich macht es „Ding!“ auf meinem Kopfhörer. Etwas irritiert starre ich auf Herrn Garmin. Rotblinkend macht er mich darauf aufmerksam, dass hier wohl eine Gefahrenstelle mit angeblicher Mobilkamera110kmhmessung auf wildgewordene und geschwindigkeitsbegrenzungsmissachtende Moppedfahrer wartet. Mist, ich hab den Blitzerwarner nicht deaktiviert. Bis Ancona wird mich Herr Garmin ungefähr 500 mal an“dingen“. Ich erinnere mich an ein Tempolimit von 130 km/h auf zweispurigen italienischen Autobahnen und beuge diese Regel sanft aber konsequent auf ca. 180 km/h. Diese Geschwindigkeit läßt mich locker hinter einem BMW herschwimmen, der ca. 50 m vor mir die linke Spur für mich freiräumt. So fahre ich mit Geleitschutz bis Modena und sage, als der BMW abbiegt, beim Überholen artig „Danke“. Die beiden kleinen Italiener in der Dose freuen sich darüber wie blöd und winken sich eine halbe Sehnenscheidentzündung. Die Gefühllosigkeit unterhalb meiner Hüfte zwingt mich zu einem Stopp. Ich tanke für 1,46 EUR je Liter und gönne mir den Luxus einer Kippe. Das Blut sickert langsam wieder in die Holzklötze, die vorher meine Beine waren. Es nützt nix, ich muß weiter.

Während der nächsten knapp 200 km langweile ich mich tödlich. Ich fahre immer noch weit jenseits der erlaubten Geschwindigkeit und beginne, mich mehr für meine nähere Umgebung zu interessieren. Beim Auffahren auf Dosen, die auf der linken Spur parken, kommt mir irgendetwas komisch vor. Ich brauche eine Weile und eine neben mir fahrende gelbe Ducati, bis ich merke, was komisch ist. Irgendwann stelle ich fest, dass ich nicht so wirklich mein Licht im Heck der vorausfahrenden Aschenkasten sehe. Eine Weile lang ignoriere ich dieses Phänomen gekonnt durch Verdrängung und Meditation. Die Ducati neben mir, deren Licht ich in der Heckklappe sehen kann, läßt mir dann ein Licht aufgehen. Licht? Ja, schon, Standlicht. Ich fahre bei der nächsten Gelegenheit an eine Autobahntankstelle und vergewissere mich: Mein Licht ist kaputt. Darum guckten die Carabineri vorhin so komisch, Das lag nicht an meiner Raserei, sondern an meinem nicht mehr funktionierenden Scheinwerfer. Ich öde mich selber an ob der absichtlich nicht eingepackten Ersatzlampe. Neben mir rollt sich das Schicksal auf dem Boden vor Lachen. Ich rauche eine und fasse den Entschluss, eine Birne zu kaufen und zu wechseln. Im Laufschritt stürme ich die Tanke, schreie dem Tankwart meinen Birnenwunsch ins Gesicht, reiße im die Verpackung aus den Händen, schmeiße ihm 10,- EUR hin und renne zum Möpp. Es ist S.....warm in Bella Italia, ich habe aber keine Zeit, die Jacke auszuziehen. Ich bin immer noch gut 40 Minuten hinter der Zeit. 100 Liter Schweiß vergießend schraube ich mit meinem göttlichen Multitool die Verkleidungsscheibe und die Lampe ab. Beim Birneentfernen breche ich mir fast die Finger. Ich verfluche die abgefuckten Yamaha-Ingenieure, die sich so eine S...... haben einfallen lassen. Neben mir versucht mich ein rheinländischer Frührentner, dessen Gattin mal pinkeln muss, in ein tiefschürfendes Gespräch zu verwickeln. Ich drücke, drehe, presse und wurschtele die Birne rein. Ich drehe die Zündung auf „On“. Nix, kein Licht. FUCK!!!!!!!! Scheinbar eine Sicherung. Da komme ich jetzt nicht dran, weil ich eine halbes Haus auf der Sitzbank festgeschnallt habe. Drauf geschissen. Ich habe keine Zeit mehr. Ich muss weiter. Die Kackfähre wartet nicht. Ich schraube alles wieder zusammen und schwinge mich nass auf´s Möpp. Kann ich der Pozilei immer noch erzählen, dass die Birne „upps, gerade kaputtgegangen“ sein muss. Ich starte und slide vom Tankstellenparkplatz. Drauf auf die Autostrada und Gas. Der Spaß hat mich 15 Minuten eh nicht vorhandener Zeit gekostet.

Ich laufe auf den ersten Dosentreiber auf der linken Spur auf und sehe ein Licht in seiner Heckklappe. Ich guck mich um, ob ein weiteres Möpp in meinem toten Winkel fährt, aber ich bin da allein. Dann nimmt ein Gedanke Form in meinem Hirn an. Logisch, geht das Licht nicht, wenn die Zündung nur „On“ ist, sondern erst, wenn der Motor läuft. Ich freue mich, wie bekloppt und verhöhne mich gleichzeitig, ob meiner Blödheit. Mittlerweile habe ich freie Bahn, alles vor mir rückt ganz brav. Als ich später auf der Fähre einen Einweiser fast um sein Augenlicht bringe, weiß ich warum. Ich hab die Lampe in der Hektik falsch herum eingebaut und fuhr somit mit permanentem Fernlicht. Grins.

Ein Schild quer über die Autobahn läßt mich unterm Helm juchzen. Da steht groß „ANCONA“ drauf. Mein brennender Hintern und die tauben Knie treten etwas in den Hintergrund. Rimini, ich kann schon Meer sehen. Es ist kurz vor halb vier. Ich müßte seit einer knappen halben Stunde bereits im Hafen sein. Wird schon gut gehen. Endlich erreiche ich Ancona. Ich bügele noch an eine Zapfsäule und fülle mit tränenden Augen Sprit für 1,50 EUR je Liter in meinen Tank. Das muß reichen bis Rethymnon. Wenn ich langsam fahre, klappt´s. Blöd nur, dass ich von Patras bis Piräus für die 210 Kilometer eigentlich auch nur 3 Stunden Zeit habe. Daran mag ich aber noch nicht denken, ich muß diese blöde Fähre kriegen, sonst brauche ich mir überhaupt keine Sorgen mehr über nicht existenten Sprit in Hellas machen.

Ich wurschtele mich durch bis zum Hafen. An einer Einfahrt stehen lustige kleine Italiener und winken mir freundlich zu. Was wollen die denn? Ich habe das Hafenbüro ausgemacht und bin mir sicher, dass ich nicht in diese Einfahrt muss. Also ignoriere ich die Pastaknilche und fahre weiter. Vor einem großen und vor allem total geschlossenen Stahltor komme ich zum Stehen. Eine dahinter eifrig ihren Dienst versehende Bella Donna di Porto gibt mir zu verstehen, dass ich zurückfahren müsste, um in eine bestimmte Einfahrt einzubiegen. Ja, es ist DIE Einfahrt. Als ich da wieder ankomme, winken die beiden Bolognesezwerge wieder freundlich und grinsen, als ich durchfahre. Um 16.10 Uhr betrete ich mit einem wüsten Gesichtsausdruck das Hafenbüro. Ich brauche noch meine internetbestellten Tickets und in 50 Minuten legt der Dampfer ab. Vor mir können sich zwei Fregatten mit Afghanenmischlingen an der Leine in einer Sprache mit wahnsinnig vielen Zischlauten nicht mir der Hafenbüromatrone einigen. Einem griechischer Harleyfahrer mit deutschem Pass und dem festen Willen, nach Igoumenitsa auf derselben Fähre wie ich zu reisen, reißt der ohnehin sehr seidene Geduldsfaden. Er ist auch spät dran. Nach einem wilden Wortgefecht räumen die Schnepfen erstmal den Schalter und lassen uns unsere Tickets in Empfang nehmen. Um 16.43 Uhr rolle ich auf die Fähre und korrigiere, während das Schiff ablegt, noch die Stellung meiner Glühlampe. Zufrieden und immer noch schwitzend wie eine undichte Saunadoppelglasscheibe trete ich den Weg von Deck 1 bis Deck 8 an. Alle Fahrstühle waren besetzt.

2bcontinued …

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Grüße vom Mirko (M13)

Ich möchte schlafend sterben wie mein Opa ........ nicht schreiend wie sein Beifahrer.



Zuletzt bearbeitet von M13 am Mo 09 Jun, 2008 13:09, insgesamt 4-mal bearbeitet
Stier Geschlecht:Männlich Schwein OfflinePersönliche Galerie von M13 Benutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden
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Moskito
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Motorrad: Honda VFR 800 ABS (RC46II)
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BeitragVerfasst: Sa 24 Mai, 2008 18:08  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Sehr schön geschrieben! Thumb Up
Da bekommt man doch gleich Fernweh!
Bin schon auf die Fortsetzung gespannt! Jump

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Gruß Marcus

„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ - Karl Valentin

Motorrad fahren ist grundsätzlich ein Verschulden gegen sich selbst. (Landgericht Frankfurt AZ 2-20 0 88/06)

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Bladerunner
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2002 Honda CBR 900 RR

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BeitragVerfasst: Sa 24 Mai, 2008 18:37  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

da geb ich moskito mal 100%ig recht Smile schön geschrieben.

an alle die kein bock haben einen so langen text zu lesen: es lohnt!

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MAMAPLAZDA Very Happy !!! Gruß Eric

Schütze Geschlecht:Männlich Büffel OfflinePersönliche Galerie von Bladerunner Benutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht senden
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M13
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2006 Yamaha FZ6 N

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BeitragVerfasst: Mo 26 Mai, 2008 16:39  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Danke. Very Happy

Crete Rush (Part 2)

Auf Deck 6 mache ich eine kurze Verschnaufpause und strebe der Rezeption zu. Ich vermeide es, allzu lange auf einer Stelle zu stehen, aus Angst, unter mir könnte sich eine Pfütze bilden. Als ich an den Tresen trete, beschlagen dem Schiffspförtner die Brillengläser. Umstehende Passagiere verfärben sich. Das liegt nicht an den mich umgebenden 275% Luftfeuchtigkeit sondern an dem infernalischen Gestank, den meine halbgeöffneten Stiefel verströmen. Meine Frage nach dem ATS-Deck wird auch zügig beantwortet und ich erklimme kurz darauf die restlichen Stiegen bis zum Deck 8. Dort angekommen, entledige ich mich geräuschvoll meines Gepäcks (Tankrucksack, Rucksack, Schlafmatte und –sack). Nachdem ich mich minutenlang aus meiner Jacke gerödelt habe (sie klebte an den Armen fest) begebe ich mich auf die Suche nach einer Dusche. Bevor ich die nicht entdeckt habe, macht weiteres Ausziehen keinen Sinn. Ich will schließlich nicht meine Wechselklamotten verstinken. Im WC-Trakt werde ich nicht fündig. Also „stiefele“ ich wieder runter an die Rezeption, wo mir bereitwillig Platz gemacht wird. Die Duschfrage wird mit „WC auf Deck 8“ beantwortet. Ich:“Nö, hab ich schon geguckt.“. Beschlagenes Brillenglas:“Doch, ist da.“. Ich:“Na gut.“. Also wieder rauf. Bei der erneuten Inspektion des WC-Traktes läuft mir ein Klomann in die weitgeöffneten Arme. Ich frage:“Shower?“. Er nickt (flach atmend). Ich:“Where?“. Er reißt an einer verschlossenen Tür, die aussieht, wie von einer Klokabine. Dahinter geht eine wüste Schimpftirade auf italienisch los. „Kollega noch drin“, spricht der Klomann und verschwindet. Fröhlich hole ich meine Waschutensilien und mein Wechselzeug und annektiere den Quadratmeter vor der verschlossen Duschtür. Dann öffnet sie sich und ein geschniegelter und gebügelter Gigolo verläßt das Kabuffchen. Ich trete ein und kann mein Glück nicht fassen. Eine richtige, echte Dusche. Ich brauche weitere 5 Minuten, um aus meiner Hose zu steigen. Dann sind die 4 qm die nächsten 20 Minuten lang mein Himmel auf Erden.

Ein smarter Typ, der nur noch entfernte Ähnlichkeit mit dem Skunk, das in die Dusche eingetreten war, hat, verläßt dann strahlend und duftend die Latrine. Ich baue ganz in Ruhe meine Lager für die Nacht und sichere mein Gepäck mittels Kabelschloss am Gestänge eines ATS. Mein Lager befindet sich in einem ca. 150 qm großen Raum mit bequemen Flugzeugsitzen (ATS). Ich hasse das Schlafen im Sitzen und habe daher zwischen der letzten Reihe und der anschließenden Wand (mit Steckdose) meine Matte mit Sack auf dem Boden drapiert. Der Bereich ist ca. 1,50 breit und total ausreichend. Ich haue mir eine Xitix-Lutschtablette in den Schlund (gegen Kinetose) und beginne, das Schiff zu erkunden. Nach einer dreiviertel Stunde Latscherei habe ich dann auch endlich das SelfServiceBordrestaurant gefunden. Ich nehme mir brav ein Tablett und stelle mich an. Zum Abendbrot wähle ich eine große, mit einem Spiegelei garnierte, Bulette und Pommes. Noch ein Säftchen dazu und passt. Dem in semi-edlen Zwirn gewandeten Kassenwart ist meine opulente Auswahl etwas mehr als 16,- EUR wert. Mir nicht, dafür spüre ich einen starken Schluckreflex. Nu, er sitzt am längeren Hebel, also zahle ich zähneknirschend. Gott sei dank, bin ich kein großer Frühstücker, also sollte das wohl etwas billiger werden.

Bisher habe ich noch keinen der „einige, extra ausgewiesene Raucherplätze“ entdecken können und ich bete, dass ich noch einen finde. Hoffentlich nicht allzu weit weg von meinem Schlafplatz. Das Problem erledigt sich schlagartig, als ich sich ein Trucker am Nebentisch eine Fluppe ins Gesicht wirft. Auf dem Schiff (merke ich kurze Zeit später) ist immer und überall das Rauchen erlaubt. Im Prospekt sollte wohl eher von „einigen, wenigen, absolut vereinzelten, kaum ausmachbaren Nichtraucherplätzen“ die Rede sein. Nach dem Essen und dem ausgiebigen Nutzen des Rauchgebots verziehe ich mich gegen 20.00 Uhr auf meine Matte, um die Bequemlichkeit zu testen. Um 23.00 Uhr werde ich nochmal wach, kaufe mir noch eine Saftfläschchen für wuchernahe 3,- EUR an der Poolbar (35 m Luftline von meiner Matte), rauche noch eine und entschwinde bis zum nächsten Morgen um 9.00 Uhr im Land der Träume.

13.05.2008 – Bürgerkrieg in Athen und Benzin Telos
Ich werde von einer Stimme geweckt, die zu einer seit 15 Jahren auf dem untersten Deck in einem Kerker eingesperrten Hafennutte gehören muss, welche verkündet, dass gleich die Igoumenitsa-Passagiere auszusteigen, ihre Kabinenkarten abzugeben, die entsprechenden Lastwagenfahrer schonmal in die Garage zu stiefeln und der Rest der Mitfahrer bloß nicht zu vergessen hätten, dass „DAS SELFSERVICERESTAURANT GEÖFFNET HAT UND GUTEN APPETIT“ gewünscht wird. Das Ganze in 4 Sprachen. Nach nochmaliger Duschnutzung und Reinigung schlendere ich im GI-Joe-Outfit in die Bordkantine und gönne mir zwei Spiegeleier, 1 Brötchen und einen Kaffee für volle 7,70 EUR. Aua. Ein altes Ehepaar vor mir berappt für seine zwei halbvollen Tabletts 56,- EUR. Ich muß grinsen.

Nach dem Essen und nochmaliger Vernikotinisierung des halben Restaurants treffe ich auf dem Rückweg den griechischen Harleyfahrer. „Ich denk, die gehst von Bord?“, frage ich ihn. Er feixt und meint, er hätte mit einem Kumpel telefoniert, es gäbe nullnixnadanientenothinggarkeinen Sprit und somit hätte er die Gunst der Stunde genutzt und klammheimlich sein Igoumenitsa-Shild von der Harley geruppt. Er fährt also weiter nach Patras.

Ich vertreibe mir die restlichen 5 Stunden Fährfahrt mit Harleygrieche und dem wieder aufgetauchten Architektenandreas, indem wir uns griechische Nachrichten anschauen, die nur ein Thema kennen:“Hellas = Benzin telos.“ Kein Benzin in Griechenland. Die beiden übersetzen für mich. Die gezeigten Live-Berichte erinnern an Krieg. Ich werde noch persönlicher Augenzeuge dieser Szenen werden.

Zu unserer Belustigung tragen von nun an die immer zahlreicher werden verzweifelten Caravanfamilien bei, die erkennen, dass sie mit dem letzten Tropfen Sprit auf die Fähre gefahren sind, um in Patras mal voll billig zu tanken. Es hat den Anschein, dass einige Ehen kurz vor dem Aus stehen. Einigen souveränen SockeninSandalenträgern mit Hawaiihemd entgleisen auf die spektakulärsten Arten und Weisen die Gesichtszüge, als sie die Nachricht vernehmen. Das läßt uns für einen Augenblick vergessen, dass auch wir irgendwann tanken müssen. Geschätzte 70% der Camperasse sitzen regelrecht auf dem Trockenen.

Während wir im bewölkten Patras einlaufen, entknote ich mein Mopped von der Ballettstange in der Garage, rödele meine Gepäck fest und verlasse nach dem Anlegen die Fähre. Herr Garmin schickt mich aus dem Hafen dem Pulk der vor mir Fahrenden hinterher. Route scheint zu stimmen. An einer Ampel fahren alle geradeaus, Herr Garmin schickt mich rechts rum. Ich vertraue ihm und fahre eine Straße bergaufwärts. Nach 4 Nebenstraßen wird die Straße zur Gasse, weitere 3 Nebenstraßen später zum Gäßchen, wieder 2 Nebenstrassen weiter zum Pfad mit Sackgassencharakter. Direkt vor dem vor mir immer größer werdenden Hauseingang schickt mich Herr Garmin nach links einen zugeparkten Beinahefußweg lang, um mir dann zu befehlen, dass ich rechts in einen Hinterhof abzubiegen hätte, wo ich nicht rechts abbiegen darf. Ich tue es trotzdem, denn am Ende des Hinterhofes schimmert Tageslicht durch ein Loch in der Wand. Genau aus diesem Loch herausgeschürbelt, finde ich mich direkt auf der Nationalstraße von Patras nach Piräus wieder. Die Einstellung „kürzeste Fahrzeit“ funktioniert also.

Ich einige mich mit mir auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80-90 km/h, um meine Spritreserven zu schonen. Tankstellen, die ich passiere sind verbarrikadiert mit dem Hinweis auf handgeschriebenen Zetteln „Unleaded Telos“ (Bleifrei alle). Ein Tipp von ArchitektenAndreas besagt, dass kurz vor Korinth ein McDonalds mit großer Tanke an der Autobahn sei, wo die Chancen auf Sprit nicht ganz so dürftig sein könnten. Ich tuckere also mit ca. 85 km/h auf dem Standstreifen entlang und versuche durch taktisch geschicktes Fahren zu vermeiden, dass ich von LKW´s überholt werde. Es ist immer noch bewölkt auf dem Peloponnes. Nicht mal das Wetter versucht mich aufzuheitern. Die wenigen PKW-Griechen, die unterwegs sind, fahren, als gäbe es kein Morgen und sie müssten heute noch den Tank leerkriegen. Ich schleiche auf dem Standstreifen entlang und nehme das einzige Schlagloch auf freier Strecke frontal und mit Bravour. Reife Leistung. Herr Garmin erzählt mir eine Ankunftszeit, die mich beruhigt und ich gleite sanft dahin. Kurz vor Korinth erblicke ich den McDonalds samt Tanke. Gerade ist mein zweiter von 6 Strichen der Tankanzeige ausgegangen, dass heißt, ich habe ca. 6,6 Liter auf 150 km verbraucht. Das reicht also locker bis Rethymnon und ich muß mir keine Sorgen machen. Bock habe ich zwar nicht, das Mopped auf Kreta stehen zu lassen, aber das Problem wird gelöst, wenn es akut wird. Ich lasse die Telos-Tanke rechts liegen und fahre einfach vorbei.

Störte mich meine Geschwindigkeit oder sollte ich besser sagen, meine Langsamkeit, bis Korinth nicht, so ist das auf der ab dort beginnenden breeeeeiiiiiiten dreispurigen Autobahn bis Athen schon etwas anderes. Ich fahre immer noch nah am Standstreifen und sehe nach dem Erlöschen meines dritten Strichs eine Hinweisschild auf eine Shell-Tanke mit DKV-Kartenannahme. Ich beschließe, es zu probieren und folge den Hinweisschildern, die alle 500 m ankündigen, dass es nur noch 200 m bis zur Tanke sind. Es gibt 5 von diesen Schildern. Die Straße führt mich 3 km ins Hinterland, bis ich an einem Shell-Tankstellchen mit 2 Zapfsäulen mitten in der Pampas ankomme. Ich räude mich schon an, wegen der verschwendeten Kilometer, als ich einen deutschen Touribus in die Tanke einfahren sehe. Nicht abgesperrt!!!! Ich versuche, „Telos“-Zettel an den Zapfsäulen auszumachen. Keine da!!!!!!!! Mein Herz hüpft hoffnungsvoll. Dann kommt ein Typ aus dem Kassenräumchen geflitzt und – greift zur Zapfpistole. Diesel hamse auf jeden Fall. Ich schleiche an die „Bleifrei“-Säule. Sofort ist mein Möpp umringt von deutschen Touris, die sich irrsinnig freuen, einen Landsmann zu treffen. Ich schiele mit schiefem Lächeln zum Tankfuzzi. Der grinst zurück, nickt und sagt:“One moment.“. Ich glaub es nicht, bis ich es sehe. Nachdem er schätzungsweise 500 Kanister und Tupperdosen des Busfahrers mit Diesel befüllt hat, kommt er zu mir, nimmt die olle Pistole und fragt:“Full?“. Ich:“Ja, ja, ja, klar, full.“. ICH HA-HAB SPRI-HIT, NÄNÄNÄNÄNÄNÄÄÄ! Ich zahle 10,- EUR und fahre laut singend zurück zur Autobahn, nicht, ohne vorher diese Tankspelunke noch fotografiert zu haben. In Athen werde ich glücklich strahlend an sich prügelnden Griechen vorbeifahren, die von der Polizei vor den Tankstellen in Schach gehalten werden.

2bcontinued …

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BeitragVerfasst: Mo 26 Mai, 2008 23:42  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ja echt, kannst prima Storry's schreiben, lass es Dir Schützen und geh mal zu MarcoPolo ( oder zu Garmin )

unbedingt continue'n

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BeitragVerfasst: Di 27 Mai, 2008 15:50  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Freut mich, dass es euch gefällt. Very Happy
Hier ein nächster kurzer Teil, damit ihr nicht solange warten müsst.

Crete Rush (Part 3)
Beim öden Dahineiern stelle ich fest, dass die Bewölkung zuzunehmen scheint. Erst als beißender schwefliger Geruch unter meinen Helm dringt, begreife ich, dass das Wolkengebirge vor mir gar kein solches ist, sondern eine bizarr geformte Dunst- und Smogglocke. Ahja, das muss dann also schon Athen sein. Vorbei an einer malerisch an einer Bucht gelegenen Raffinerie (die ist für den „Biss“ in der Luft verantwortlich) rolle ich auf den Moloch zu. Ich hoffe inständig, dass das anhaltende Kraftstoffproblem zu einer spürbaren Abnahme des Verkehrsaufkommens geführt hat. In diesem Punkt irre ich mich jedoch gewaltig. Athen hat 5 Millionen offiziell zugelassene PKW´s (Dunkelziffer unbekannt) und ca. die doppelte Zahl an streunenden Hunden, die scheinbar nur noch durch die Anzahl mehr oder weniger fahrtüchtiger Einspurfahrzeuge getoppt wird. Gefühlte 90% der motorisierten Athener sind auf meiner Straße unterwegs, der Rest scheint arbeiten zu müssen. Ich beginne, noch defensiver zu fahren als ohnehin schon und erwische bei meinen Konzentrationsübungen das zweite von 2 Schlaglöchern auf der gesamten Strecke mit einer vollen Breitseite. Meine Ellenbogen und Bandscheiben singen „Weiße Eulen aus Athen“ oder sowas. Mein Hauptständer hat gewiß ein 2 qm großes Asphaltstück herausgerissen (dem Gräusch nach zu urteilen). Ich höre Herrn Garmin gespannt zu, während ich mit einem halben Auge auf die Navianzeige schiele, gleichzeitig die Schilder vor mir zu deuten versuche und mir schwöre, dass ich das nächste Schlagloch umkurven werde. Es kommt keines mehr.

Der 6-spurig (auf einer zweispurigen Straße) fahrende Verkehr kommt jäh zum Stillstand. Vor uns eine ganze Pozileiarmada, die relativ erfolglos versucht, eine Menschenmenge davon abzuhalten, einen Tankwart mit 22er Schraubenschlüssel in der Faust und sich gegenseitig zu lynchen. Es sieht aus, wie Massen-Tekken-3, nur brutaler. In 5-er Reihen parken die Tankwilligen bereits einige Kilometer vor den Zapfsäulen die Straße zu und behaupten ihren Platz in der Schlange unter massiver Zuhilfenahme des Faust- und WasMirGeradeSoInDieFingerAnSchlaginstrumentenFällt-Rechts. Ein einsamer Tanklaster wird von einem halben Dutzend Pozileiautos und diversen Fußtruppen in Richtung Tanke eskortiert. Die Infanteristen haben dabei alle Hände voll zu tun, dass kein Warteschlangenprügelgrieche unter die Räder kommt. Ich wette im Geiste, dass die Ordnungshüter nach diesem Akt einen mehrwöchigen Kuraufenthalt als Begleitmannschaft eines Atommülltransportes in Deutschland beantragen werden. Ähnliche Szenen (wahlweise mit und ohne eskortierten Tanklaster, meistens ohne) spielen sich vor allen folgenden Tanken ab. Ich streichele verstohlen meinen Tank und erfreue mich an der vollen Tankanzeige.

Irgendwann tauche ich in das quadratisch angelegte Straßenraster Athens ein und lasse mich von Herrn Garmin Richtung Piräus führen. Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass Lichtsignalanlagen in Athen eine andere Funktion zu haben scheinen, als in Deutschland. Rot wird als gutgemeinter Hinweis interpretiert, eventuell darüber nachzudenken, etwas vom Gas zu gehen und beim Einfahren auf Kreuzungen auf unvorsichtige GrünausderanderenRichtungHaber zu achten. Oder auch nicht. Der Interpretationswille nimmt rapide in der Relation zum Anwachsen der Größe des gefahrenen Fahrzeuges ab. Gänzlich unbeeindruckt von eventuellen Lichtspielen zeigen sich lediglich diverse Einspurfahrzeuge, die sämtliche Verkehrsregelungsversuche ignorieren und unter Ausnutzung jedes Millimeters fahren. Ich meine JEDES Millimeters. Dabei schützen Sonnenbrillen die Köpfe der EinspurKFZFührer. Einige haben einen Helm – allerdings am Arm baumeln. In den stickigen Gassen erkenne ich schnell die Vorteile dieser Art von Schutzkleidung.

Ich lande in einem links und rechts zugeparkten Gäßchen in Richtung Hafen, durch das sich ein Elektrobus (löblich, dieses umweltgerechte Verhalten) quetscht. An den Seiten des Busses passen noch ein Blatt Papier oder Pizzaboten auf ihren Gilera-Runnern vorbei. Ich fahre etwas versetzt, was einen jungen, telefonierenden Griechen in einem Pickup-Truck dazu ermuntert, rechts nur Zentimeter neben meinem Helm mit seinem tablettgroßen Seitenspiegel herzufahren. Meine Kupplungshand ist fast taub. Ich winkle den linken Arm an und wieder ab, was zu etwas Erleichterung führt. Die Abwinkelintervalle sind dabei bruchteilsekundös abgestimmt auf die Rollertreiber, die mich links andauernd überholen. Der Pickupspiegel ist zwischenzeitlich so nah, dass ich ihn, statt meines Rückspiegels benutzen kann. Vorteilhaft ist, dass zwischen mir und dem Pickup zumindest kein Piaggio mehr durchpasst. Ich verkneife es mir jedoch, in Gedanken darauf zu wetten. An einer für Athener Gassen einigermaßen übersichtlichen Stelle (natürlich eine Kreuzung), wage ich es, einen Überholversuch des Elektrobusses zu starten. Ich habe grün, bin fast am Bus vorbei, als eine ziemlich attraktive Griechin auf einem Roller (was auch sonst) quer vor dem Bus vorbeigeschossen kommt und mir fast auf´s Vorderrad fährt. Sie hatte den gleichen Gedanken, wie ich, nur dass sie den Bus halt rechts überholte, dann im 90 Grad Winkel vor dem Bus nach links knisterte, um den davor fahrenden PKW dann auch links zu überholen. Nach einer Vollbremsung von Bus, Sirtakirollergirl und mir fliegt ein zauberhaftes Lächeln über ihr Gesicht, ihre Hand erhebt sich zur Entschuldigung und schon ist sie „määäääääääääääääääääääämämämäääääää“ verschwunden. Es scheint doch so etwas wie Rücksichtnahme oder zumindest sowas wie eine Genfer Konvention im Athener Straßenkrieg zu geben. Ich nutze die Gelegenheit und quetsche mich wagemutig zwischen einer Mülltone und dem Bus durch. 50 m weiter wird es hell und ich werde auf die ganzvielspurige Hafenstraße ausgespuckt.

Ich fahre am Hafenbüro vorbei, das dummerweise auf der anderen Straßenseite ist und halte mich 5 Ampeln lang an das Wendeverbot. An der 6. Ampel S...... ich drauf, wende wie alle Einspurer bei Rot und bin überzeugt, in den Gesichtern der griechischen Verkehrsteilnehmer so etwas wie Erleichterung gesehen zu haben. Sie denken wohl: ’Endlich hat er´s begriffen. War ja nicht auszuhalten mit diesem unberechenbaren regelkonformen Fahrverhalten. Da weißte nie, an welche Regel der sich als nächstes hält und womöglich noch eine Massenkarambolage verursacht.’. Ich parke das Möpp erschöpft aber gekonnt im Halteverbot (wie alle anderen auch) und betrete federnden Schrittes das Hafenbüro, um es 5 Minuten später mit meinen Tickets und der genauen Gateangabe wieder zu verlassen. Ich bin pünktlich und kaufe mir vor der Auffahrt auf die Fähre noch ein Tütchen Nüsse mit Rosinen als Abendbrot.

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BeitragVerfasst: Mi 28 Mai, 2008 14:19  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Crete Rush (Part 4)
Beim Auffahren auf die Rampe werde ich von wild mit den Armen rudernden, mit Trillerpfeifen im Dauereinsatz bestückten und gleichzeitig dabei viehisch rumschreienden Einweisern etwas verunsichert. Noch rechtzeitig nehme ich die riesige Ölpfütze auf dem ohnehin schon schweineglatten Fährboden wahr. Die Schamanentrancetanzaktion sollte mich wohl darauf aufmerksam machen. In Gedanken spiele ich das Verlassen der Fähre auf der öligen und mördermäßig abschüssigen Rampe schonmal durch und beschließe, diese Überlegungen unverzüglich zu verdrängen. Oben angekommen kriege ich meinen Platz zugewiesen, entknote mein Handgepäck und winke, nachdem ich noch ein paar Fotos geschossen habe, dem eben auffahrenden ArchitektenAndreas in seinem hoffnungslos überladenen Vitara zu. Da sammer wieder alle beisamm. Ein näherer Blick auf die „Inneneinrichtung“ des Frachtraums führt zu einigem Unwohlsein und stört massiv mein mitteleuropäisch-germanisches Sicherheitsdenken. Wenigstens wurde, so habe ich irgendwo gelesen, dieser Pott schon einmal grundlegend saniert. Das war 1989 (in Worten neunzehnhundertneunundachtzig). Eine Wette bei englischen Buchmachern, dass diese Schüssel als nächste im Ionischen Meer sinken wird, wäre ein todsicherer Tipp. Ich sehne mich etwas nach dem Luxusliner von Minoan Lines zurück. Egal, nu bin ich da. Außerdem ist verbrieft, dass, wenn ich an Bord bin, nix schiefgeht. Ich bin schließlich kaiserschnittgeboren und habe somit überproportional mehr Glück als andere Menschen (haben US-Wissenschaftler herausgefunden und das IST KEIN SCHERZ). Auch dieser versiffte Bananendampfer hat 8 Decks (ich muß natürlich bis dahin) und ich erspare mir von vornherein die Suche nach Fahrstühlen. Nach 3 Tagen und 3000 km ist man schon deutlich härter im Nehmen.

Ich finde mein Deck und den dazugehörigen ATS-Raum, der im Unterschied zur ersten Passage vollgepfropft mit Menschen aller Coleur ist. Eine entspannte Nacht in einer Umgebung mit der Lautstärke des Millerntors bei einer ErsteBundesligaAufstiegsfeier des FC St. Pauli erwartet mich. Zu meinem Glück findet sich auch ein Plätzchen hinter der letzten Stuhlreihe (Sessel sind was anderes), auf dem ich mich breit bzw. schmal machen kann. In eben dieser letzten Stuhlreihe haben 5 Marokkaner ihre Plätze eingenommen (mein bruchstückhaftes aber dafür akzentfrei gesprochenes Arabisch verrät mir die Herkunft, sie sagen mööschi statt méshi). Gut, es könnten auch Palestinenser sein, ich bleibe bei Marokkanern. Eine Dusche gibt es natürlich nicht und desinfiziere ich meine Füße behelfsmäßig im äußerst „vertrauenerweckenden“ Waschräumchen. Beim Verlassen desselben überlege ich, mich nochmal zu waschen, weil ich diesen Waschraum betreten habe. Ich erwerbe käuflich zwei 250 ml Fläschchen Coke und einen Plastikbecher sowie ein eingeschweißtes Sandwich für schlappe 4,- EUR. Die Nüsse und Rosinen reichen doch nicht ganz. Nachdem ich mich in mein Irakkriegsveteranen-Outfit gewandet habe, bekunde ich gegenüber dem Arabertrüppchen nochmals demonstrativ und energisch meine Anwesenheit mit der Note:“Ich bin ein S.....drecksgefährlicher S.....kerl, dessen Gepäck durch Nuklearsprengköpfe gesichert ist.“. Noch zeigen sie sich unbeeindruckt, was sich Stunden später durch nur wenige von mir gesprochene Worte ins glatte Gegenteil kehren wird. Davon weiß ich zu diesem Zeitpunkt jedoch genausowenig, wie sie.

Die Nacht fällt über die griechische Küste herein, die soeben von einem notdürftig von 3 Nieten zusammengehaltenen Fährkutter verlassen wird. Piepsende Handies, plärrende Flat-TV´s, schreiende Kinder und 5 Araber, die lautstark vor mir irgendeinen Deal am Telefon abwickeln (den sie aus irgendeinem, mir nicht ersichtlichen Grund, auch noch aufzeichnen und immer wieder abspielen) begleiten mich in eine Art Presleep-Dämmerzustand. Es ist gegen 22.00 Uhr und ich muß um 4.30 Uhr aufstehen (wer mich kennt, weiß, was DAS für mich bedeutet). Ich werde immer wieder wach und checke dabei automatisch mein Gepäck auf Lageveränderung. Ich habe zwei ABUS-Kabelschlösser benutzt. Meine Stiefel haben nach einer Weile zumindest die 5 vor mir narkotisiert.

14.05.2008 – Fünf gegen einen und Reiseführer für Griechen
Um 4.25 Uhr hebe ich meinen geschundenen Körper vom Lager und trete widerwillig den Weg in die Waschkammer an. Was muß, das muß. Ich reinige mich, ohne allzu viele Flächen in der Entlausungskammer zu berühren. Als ich zu meinem Lager zurückkehre, trifft mich der Schlag. Meine Matte ist belegt mit einem der 5 Islambrüder, der sich wohlig in meinen Schlafsack kuschelt und dabei mein kleines Reisekissen besabbert. Meine Adern am Hals verdicken sich auf die Größe von Ölpipelines. Ich trete dem Typen an den Fuß. Etwas ungläubig ob meiner ruppigen Kontaktaufnahme blinzelt Yussuf mich an. Ich sage langsam mit Darth-Vader-Stimme:“Mésh quaiés, Habibi, mésh quaiés!“ (Arabisch: Nicht gut, Kumpel, gar nicht gut!). Seine Augen werden zu Tennisbällen. Als hätte ihn jemand mit Schweinebratensaft mit einem Schuß Rotwein besprüht federt er auf die Beine, stürzt in affenartiger Geschwindigkeit um die Stuhlreihe, reißt seine Kumpels von den Sitzen aus dem Schlaf und erklärt ihnen hektisch etwas auf arabisch. Schneller, als ich die Kupplung ziehen kann, hasten die 5 aus dem Raum. Ich verwette meine linke Arschbacke, dass er ihnen sinngemäß folgendes gesagt hat:“Lasst uns abhauen, der Army-Typ spricht arabisch und hat garantiert jedes Wort verstanden, was wir hier gesagt haben.“

Ich bin selbst etwas überrascht über meinen durchschlagenden Erfolg und schnüffele an meinem Schlafsack. Nee, ok, stinkt nach mir. Ich verpacke alles sorgfältig. Mein Gepäck ist vollständig und ich mache mich auf die Suche nach der Treppe zum Frachtraum. Ein junger Grieche (etwa Anfang 20) mit Helm und Rucksack fragt mich, ob ich auch die Motorräder suche. Ich bejahe das und wir versuchen uns gemeinsam zu orientieren. Nach mehreren traeppaufs und treppabs finden wir endlich den Eingang zur Garage, machen die Moppeds startklar und fahren um alle Ölpfützen eiernd von der Fähre. Allein diese 100 m Fahrt strengen derartig an, dass ich vor der Fähre bereits eine Raucherpause brauche. Der Grieche parkt seine Honda CBR 600 neben mir und guckt mein Möpp an. „Ah, Fäsér.“, sagt er und nickt anerkennend in Richtung des schiefen Gepackturms von Babel auf der Sitzbank. „No, it´s the naked version, not a Fazer.“, sag ich. Was wahr ist, muß wahr bleiben. Ich guck auf sein Möpp und stelle fest, dass er kein Kennzeichen hat. Entschuldigend zuckt er mit den Schultern und meint, er hätte die Kiste erst seit 4 Tagen und noch keine Zeit gehabt, sie anzumelden. Ich frage ihn nach eventuellen Problemen mit der Pozilei, woraufhin er trocken antwortet:“You don´t need to stop, if they want you to do, don´t you?“. Aha, wäre das also geklärt. Er fragt mich nach meinem Ziel und als ich ihm Rethymnon nenne, freut er sich. Da will er auch hin, er hätte nur keine Ahnung, wo er lang müsse. Ob er sich an mich dranhängen dürfe. Sicher darf er und so fahren wir zu zweit aus dem Hafen in Chania in Richtung Sonnenaufgang. Ich, nur noch 70 km von meinem Ziel entfernt, mit einem Griechen im Schlepptau, der sich in seinem Land nicht auskennt.

Gegen 7.30 Uhr erreichen wir auf menschenleeren Straßen, die gesäumt sind von zig LKW´s und einigen Leihwagen, denen der Sprit ausgegangen ist, vorbei an vernagelten Telos-Tanken Rethymnon. Wir verabschieden uns und ich fahre die restlichen 7 km zum Hotel. Elena an der Rezeption freut sich wie bekloppt, mich zu sehen und ich checke schnell ein. Nach einem grandiosen Frühstück liege ich bis halb drei im Bett und hole meinen verpassten Schlaf nach. Heute wird gegammelt und morgen wird nach Sprit geguckt.

Ich bin da.

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BeitragVerfasst: Mi 28 Mai, 2008 17:25  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Genial geschrieben, da kriegt man Lust auf mehr... Very Happy

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Gruß Ronny



Schatz wer ist wichtiger? Ich oder dein Bike? DAS BIKE!!!

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BeitragVerfasst: Mi 28 Mai, 2008 19:27  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Jo, weiter so!
Bin gespannt wie es weiter geht, hast ja heute im BI noch nicht allzuviel verraten! Thumb Up

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Gruß Marcus

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BeitragVerfasst: Mi 28 Mai, 2008 20:46  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ich hab mich erst vor der Länge des Textes gescheut, hab es aber nicht bereut. Hups, das reimt sich ja. Weiter so.


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BeitragVerfasst: Do 29 Mai, 2008 05:39  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ja ich find es auch klasse.
Das war bestimmt ein "Erlebnisurlaub".

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Gruß der Christoph


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BeitragVerfasst: Do 29 Mai, 2008 19:01  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Habe mir heute endlich mal die Zeit genommen alle Berichte zu lesen , gut geschrieben, da freut man sich auf mehr. Thumb Up

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Gruß Lothar

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BeitragVerfasst: Mo 02 Jun, 2008 16:29  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Crete Rush (Part 5)
Nach dem (Wieder-)Aufstehen schlendere ich gemächlichen Schrittes runter zur Strandbar, um mir in gediegener Atmosphäre ein Mittagessen reinzudrücken. Anschließend begebe ich mich nach Rethymnon in die Altstadt – mit dem Bus. Nach zweistündiger Latscherei habe ich befriedigt festgestellt, dass alles immer noch an seinem Platz ist und die meisten Läden immer noch erst ab frühestens 18.00 Uhr öffnen. Ich versaue diverse Schaufensterscheiben mit meinen Nasenabdrücken und genehmige mir ein Schüsselchen gebackene Garnelen in einer Hafentaverne. Nach mehr als dreiviertelstündiger Suche der blöden Bushaltestelle für die Rückfahrt finde ich endlich die Station und warte im wohligen Strom der Kanalisationsabluft auf meinen Bus. Auf der Rückfahrt gilt, wie schon hinzu, meine völlige Aufmerksamkeit etwaigen verdächtigen Aktionen an allen vorbeihuschenden Telos-Tanken. Störend auf meine Aufmerksamkeit wirken sich dabei manchmal etwas leichtgeschürzte Griechinnen mit und ohne Roller aus. Allerdings sind die Prioritäten klar auf Sprit ausgerichtet. Vermehrt nehme ich Obst- und Gemüsestände mit einem provisorisch angebauten Kanisterstand wahr. Beim dritten fliegenden Händler gelingt es mir, das Schild vor den Kanistern zu entziffern. Da steht „unleaded“ drauf. Klar, was auch sonst. Mittlerweile verticken die Farmer also auch noch Benzin. Das Mischungsverhältnis schätze ich auf grobe 70/20. Siebzig Teile Wasser, 20 Teile Bleifrei. Ist ja auch besser für die Umwelt. Preislich bewegt sich das Gemisch bei 1,35 EUR je Liter und taugt wahrscheinlich nicht mal zum Händewaschen geschweige denn zum Fahren. Allerdings ist der Placeboeffekt sicherlich um ein Vielfaches höher. Also, warten. Den Abend im Hotel verbringe ich damit, Hunderten von Hibiskusblüten eine Glatze zu rupfen und dabei „Morgen fahr ich, morgen fahr ich nicht“ vor mich hinzumurmeln.

15.05.2008 – Beinahe Südküste und der GöttinoderTanke-Schönheitswettbewerb
Der nächste Tag beginnt mit einem Paukenschlag durch die überaus eifrigen Putzmäuse des Hotels, die das Zimmer auf links krempeln wollen. Ich lasse sie gewähren und stücke mal wieder exorbitant toll früh. Die Glatzenhibisküsse vom Vorabend haben mich keinen Schritt weiter gebracht und ich schwanke beim Rühreischaufeln immer noch. Meine geplante Tour sollte über Vrisses durch die Berge nach Chora Sfakion an die Südküste führen, dort bis Frangokastello und Plakias und durch einen schicken Canyon wieder zurück nach Rethymnon. Nach 2 kg Ei beschließe ich, es zu wagen. Ich verwüste beim Anziehen meiner Möppklamotten das gerade hergerichtete Zimmer wieder zurück in den vorschriftsmäßigen Zustand und federschreite unter den schockierten Blicken der Poolrentnerbande in voller Montur in Richtung Parkplatz. Mein Kätzchen hat erstmals seit ihrer Geburt unter einer Palme genächtigt und freut sich, mich zu sehen. Ich sattele auf und starte.

Schon auf den ersten Kilometern nehme ich eine dunkelgraue Wolkenwand über den Bergen wahr. Nu, vielleicht ist sie ja weg, wenn ich da bin. Plötzlich werden meine Augen magisch nach links gezogen. Eine wunderschöne hellenische Göttin mit einem etwas breiteren Gürtel, den manche Leute als Minirock bezeichnen würden, und einem neonpinkgelben Bikinioberteil ziert die Straße. An den schlanken Fesseln glitzern kleine Ketten, die zierlichen Füße stecken in pinkstrassglitzernden Flipflops. Das Sahnehäubchen dieses pittoresken Ensembles wird gebildet von der hinter dem Mädel sich erhebenden OFFENEN TANKSTELLE. Das toppt alles, scheiß auf das Bikinioberteil und den Inhalt. Die Göttin, deren Augen von einem überdimensionalen aber perfekt zu ihrem Gesicht passenden Dolce&GabbanaPlagiatSonnenbrillenMonstrum geschützt werden, steht leuchtend in einer grauenhaft langen Schlange von Autos, die vor der Tanke warten. Was für ein Anblick. Der Tankwart steht zapfend an der Säule und das schnuckelige Pozileiauto mit rödelnder Rundumleuchte bremst fröhlich vor mir ab, so dass ich fast drauffahre. Später erfahre ich, dass die Tanklastfahrer (nach 10 Tagen) endlich aufgehört haben, zu streiken. Wenn es hier Sprit gibt, hab ich vielleicht auf dem Weg auch Glück. Mein Tank ist noch fast voll (1 Strich ist weg) und ich kann mich also weiter ins Landesinnere vorwagen. Nach 10 km sehe ich rechts von mir eine weitere Tanke, an der ich rausfahre. Just vor mir fällt ein Schlagbaum und versperrt mir den Weg. Der Schlagbaumfallenlasser schwallt mich auf griechisch voll, bis ich ihm begreiflich machen kann, dass ich ihn nicht verstehe. Daraufhin wechselt er ins Englische und ich erfahre, dass „Unleaded finished“ ist. Auch andere Fahrer müssen unbetankt abziehen. „Maybe tomorrow, but only in the morning“, höre ich noch. Die Lage ist also noch relativ unentspannt, aber nicht mehr so kritisch.

Weiter geht´s in Richtung Vrisses. An den folgenden Tanken hat sich nichts am Erscheinungsbild geändert, immer noch „Telos“. Mir spukt die scheinbar einzige Tanke mit der griechischen Göttin in der Rübe rum. Dennoch biege ich von der Küstenstraße in Richtung Chora Sfakion ab. Meine Reifen beginnen sich zu freuen, als die Strecke ansteigt und endlich beginnt, kurvig zu werden. Als ich um eine Biegung komme, sehe ich die 2000er Hügel, durch die ich durch will in Panoramamanier vor mir. Zum Panorama allerdings gehört auch die mittlerweile dunkeldunkle Wolkenwand, die regenschwer über den Kuppen thront. Ich halte künstlerisch wertvoll auf dem unbefestigten Fahrbahnrand nahe des Abgrunds an und rauche eine Entscheidungsfluppe während ich die Wolken fotografiere. Auch auf dem Kameradisplay wirken die nicht freundlicher. Schwersten Herzens wende ich dann und fahre die bisher abgespulten 50 km (was für ein Mückenfurz) wieder zurück. Auf der Küstenstraße kehrt die Sonne auf meinen schwarzen aber TFL-Cool-Leder-verhüllten Buckel zurück. Mein zweiter Strich ist weg und ich entscheide mich, mir den Nachmittag zu versüßen, indem ich mich an der Griechengöttintankstelle anstelle. Ich rollere an das Ende der Schlange, gefolgt von diversen Mehrspurfahrzeugen und überschlage im Kopf die Entfernung zur Tanke, die ich noch nicht mal sehen kann. Es dürften in etwa knappe 2 km sein.

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BeitragVerfasst: Mo 09 Jun, 2008 12:06  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Crete Rush (Part 6)
Es dauert geschlagene 10 Minuten, bis sich die Schlange um 5 m vorwärtsbewegt. Ich rechne im Kopp nach und komme zu dem Ergebnis, dass ich, wenn das so weitergeht, gerade noch die Reste vom Abendbrotbüffet im Hotel zusammenkratzen könnte. Die Bergrücken auf Kreta sind etwas kühler, darum habe ich auch meine Lederkombi an. Doof nur, dass es an der Küste wenig, um nicht zu sagen gar keine Bergrücken gibt. Es ist heiß. Nach weiteren 10 Minuten und 3 m vorrücken fummele ich mein Bandana aus der Beintasche und stülpe es über mein siedendes Haupt, das lediglich von einem raspelkurzen blonden Flaum bedeckt ist. Kommste endlich an die Zapfsäule und kippst mit ´nem Sonnenstich vom Möpp. Das wäre nicht nur peinlich sondern auch nachteilig für meine Tankfüllung. Ich rutsche schweißgebadet von der Sitzbank und stiefele quietschend und feuchte Fußabdrücke hinterlassend zu meinem Vordermann. Der telefoniert. Es ist immer noch heiß und kurz nach dem Mittag, die Temperatur wird also eher noch steigen und zwar nicht zu knapp. Ich habe keine Lust, ohne vorher meine Fragen loszuwerden, wieder zu meinem Möpp zu gehen und bleibe am Fenster des Vordermannlieferwagens stehen, während ich den Typen, der immer noch seelenruhig telefoniert, einfach nur angucke. Nach 5 Minuten wird ihm das zu doof und der beendet sein Telefonat. Ich frage ihn, ob er ein Gefühl dafür hat, wie lange denn der Sprit gaaaaaanz weit da vorn noch reichen würde. Er zuckt mit den Schultern und meint, wir könnten auch Pech haben. Ui, super. Ich schleppe mich zum Möpp zurück und kann nach weiteren 5 Minuten endlich den Motor starten, um weitere 4,76 m vorwärts zu rollen. Das lustig mit seiner Rundumleuchte dödelnde Pozileifahrzeug ist mittlerweile schon zum dritten Mal an uns vorbei- und wieder zurückpatroulliert. Wieder 10 Minuten später knacke ich die Insgesamt-15-m-Vorwärtsroll-Marke. Die Schlange hinter mir hat kein sichtbares Ende.

„Tüüüüüüüüüüt“, macht es in meinem Rücken. Ich drehe mich um, und sehe in der Dose hinter mir zwei Mädels sitzen, die mir freundlich zuwinken. Ich winke zurück, die Mädels wedeln noch heftiger mit den Händen. Ich grinse, das Winken wird extrem heftig. Hoffentlich hauen die sich nicht gleich selbst in die Fresse, wenn die so weiterwedeln. Dann entnehme ich dem scheinbar unkoordinierten Wedeln die Aufforderung, mich an ihr Seitenfenster zu begeben. Als ich da ankomme, stelle ich fest, dass andauernde Hitze in einer Lederkombi denselben Effekt hat, wie ganz viel Alkohol. Je näher ich komme, desto häßlicher wird zumindest das Fahrerseitengirl. Als ich am Fenster anlange, kann ich gedanklich den Begriff „Girl“ zumindest für die Fahrerseite nicht weiter aufrechthalten. Auch nicht mit Beide-Augen-Zudrücken und kurz vorm Hitzschlag. Die Faltschachtel am Lenkrad beginnt unverzüglich, mir die Ilias zu proklamieren (hört sich zumindest so an) und wedelt dabei unentwegt mit den furchigen Lederhandschuhen (bei näherem Hinsehen hat sie keine an, das ist ihre Haut). Verständnislos aber freundlich betrachte ich fasziniert den Winterreifen, der ihr Gesicht ist. Die Profiltiefe ist beeindruckend. Dann schaltet sich die Beifahrerseite ein. Die ist ungefähr 100 Jahre jünger, also sowas um die 17, ein Ende ansehnlicher und spricht ein grottenschlechtes Englisch. Aus diesem geht hervor, dass sie mir den Tipp geben, ganz nach vorn zu fahren, weil ich ja ein Möpp habe. „Tausendschönchen“, entgegne ich mit Blick auf das Wesen auf der Fahrerseite, „ das ist bestimmt keine so gute Idee. Ich habe keine Lust, als Vordrängler an einen Pickup gebunden und 75 km bis Heraklion geschliffen zu werden.“ In mir steigen die Athener Tankstellenmassaker auf. „Nönönö“, schreit die Beifahrersitzsitzerin. Sie hätten das an einer anderen Tanke auch gesehen, dass die Möpper da vor gefahren wären. Mein skeptischer Gesichtsausdrück veranlasst sie zu einem Schwur. Die Schachtel und die Beifahrertochter schwören, dass, wenn meine Vorfahraktion nicht klappen sollte (und ich noch lebe, denke ich), ich mich wieder genau vor ihnen in die Schlange stellen könnte. Das ´s ja mal ein Angebot. Mein thermaler Zustand, die Aussicht auf stundenlange Wartezeit und dieses Angebot bringen mich dazu, es zu versuchen. Ich suffte auf mein Möpp, drücke den Starterknopp und beginne, mich an der Schlange in Richtung Tanke vorbeizuschleichen. Ich fahre ungefähr anderthalb Kilometer, bis die Einfahrt in Sicht kommt. Davor ist eine Absperrung, durch die sich gerade so ein Auto quetschen kann. Ich halte an, direkt vor einer Dose mit weiblichem Lenkerinhalt und steige ab. Mir ist alles egal, aber ich will wenigstens so nett sein und fragen, ob ich mich vordrängeln darf.

Der Gesichtsausdruck des weiblichen Dosenlenkerinhalts hat in etwa die Freundlichkeit des Laufs einer auf dich gerichteten 45er Magnum. Ich setze meinen charmantesten Gesichtsausdruck (und der ist echt nicht wenig charmant) auf und beginne die Konversation mit der Pistolenmündung mit den Worten:“Oh, beautiful lady.“ Das ist leicht, denn es ist nicht doll gelogen. Der Effekt ist noch nicht so nachhaltig, wie ich erwartet hatte. Ob es sie sehr stören würde, wenn ich vor ihr an die Tankstelle fahren würde? Seit drei Stunden wartet sie, verliert womöglich ihren Job, weil sie hier ansteht, anstatt zu arbeiten und findet das alles eine riesengroße Kacka. Ich verstehe das natürlich, geschmeidige ich ihr sozialpädagogisch ins Gesicht. Ich käme gerade eben aus Deutschland, bin 10.000 km durchgefahren, seit Tagen ohne Nahrung und mir wäre warm, sage ich mit dem Blick eines Heimkehrers aus einem sibirischen Kriegsgefangenlager. Aha, der Pistolenhahn entspannt sich. Sie schaut auf mein Kennzeichen und ist beeindruckt, dass ich 25.000 km vom Nordkap bis hier zu dieser Tanke in einem Rutsch gefahren bin. Ob ich hier Urlaub mache, fragt sie. Ja, sag ich, und dass ich die Griechen und das Land abgöttisch lieben würde und sowieso und überhaupt. Dann willigt sie ein und läßt mich vor. Alter, bin ich glücklich. Vor mir stehen noch 3 Dosen, dann bin ich dran. Ich lasse mir Sprit einfüllen und rolle an die Seite der Ausfahrt. Hinter mir bekommt die entspannte Pistole ihre Spritration (20 L maximal für jeden). Als sie losfährt, falle ich hollywoodreif auf die Knie, neige mein Haupt und bedanke mich bei ihr. Sie bremst und fängt schallend an, zu lachen, winkt sich fast die Schulter aus und schreit mir ein „Have a nice vacation“ herüber. Ich lächele ein Perlweisslächeln und werfe ihr einen Handkuss zu. Das bringt sie vollends aus der Fassung und überschäumend vor Glück ob soviel Schmeichelei rollt sie lachend und winkend auf die Straße. Die Pozileidosenbesatzung 3 m neben mir kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich rauche meine Fluppe zu Ende und knalle am Anschlag mit offener Jacke die restlichen Kilometer zurück zum Hotel. Ungefähr 40 min habe ich gewartet und muß nun dringend in den Pool. In diesem fasse ich den Entschluß, morgen meine Chora Sfakion Tour zu fahren, egal, was die Bergrücken sagen.

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